Bindungsstile und Beziehung

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Bindungsstile und Beziehung

Bindungsstile und Beziehungsfähigkeit

In meiner Arbeit sind die Bindungsstile grundlegend. Aber was genau versteht man unter Bindungsstilen? Und was sagen die Bindungsstil über dich aus und über deine Beziehungen? Genau das erfährst du in diesem Artikel. Du wirst verstehen, was die Bindungsstile mit deiner Beziehungsfähigkeit zu tun haben. Außerdem wirst du erfahren, was Bindungsangst oder Beziehungsangst auf der einen Seite sowie Verlustangst auf der anderen Seite mit den Bindungsstilen zu tun hat.

Es sind tatsächlich psychologisch erklärbare Muster, die sich bei den meisten Problemen in Beziehungen abspielen. Das Wissen über deinen Bindungsstil wird dir helfen, aus alten Mustern auszusteigen und positivere Beziehungserfahrungen zu machen.

Die Bindungsstile nach John Bowlby

Grundlegend zum Verständnis der meisten Schwierigkeiten in Beziehungen und Partnerschaften sind die Bindungsstile nach John Bowlby und Mary Ainsworth. Dieses Modell der Bindungsstile geht davon aus, dass in den ersten Lebensjahren die Grundlage dafür gelegt wird, wie Kinder und später Erwachsene Beziehungen zu anderen Menschen erleben. So wie ein Kind die ersten Beziehungserfahrungen mit seinen ersten Bezugspersonen erlebt hat, genauso wird es später als erwachsene Person Beziehungen eingehen und erleben.

Die Bindungstheorie versteht den Wunsch nach engen emotionalen Beziehungen als etwas spezifisch menschliches,  schon bei Neugeborenen angelegtes,Verhalten.

Der sichere Bindungstil

Wenn ein Kind gelernt hat, dass es sich auf eine Bindungsperson verlassen kann, die für das Kind da ist und sein Bedürfnis nach Zuwendung, Nahrung, Trost und Sicherheit befriedigt, dann prägt sich dieses beim dem Kind ein. Wenn das Kind gelernt hat, dass auf seine Bedürfnisse eingegangen wird, entwickelt das Kind eine sichere Bindungsfähigkeit. Das Verhältnis zur Bindungsperson, in der Regel ist das die Mutter, ist für das Kind die sichere Basis, von der aus es beginnt seine Umwelt zu erkunden.

In einer Partnerschaft bedeutet das, man hat Vertrauen in den Partner / die Partnerin. Man ist in der Lage Nähe zulassen und sich einlassen. Man findet das richtige Maß an Nähe und Autonomie in einer Beziehung. Man kann eigene Bedürfnisse in der Beziehung äußern und ausleben. Man kann aber auch die Bedürfnisse des Partners wahrnehmen.

Der unsicher-vermeidende Bindungsstil

Kinder mit einem unsicher-vermeidenem Bindungsstil vermeiden die Nähe zu ihrer Bezugsperson, wenn diese nach einer Trennung wieder zurück kehrt. Diese Kinder haben die Erfahrung gemacht, dass auf ihre Bedürfnisse nicht ausreichend reagiert wurde, die Bindungsperson nicht oder nicht zuverlässig verfügbar war. Manchmal mussten sie auch zu früh Verantwortung übernehmen oder es kam zu einer Rollenumkehr einer sogenannten Parentifizierung.

Auch im Erwachsenenalter steht bei diesem Bindungsstil im Vordergrund steht das Prinzip der Vermeidung und der Angst. Das Bindungssystem ist unteraktiviert. Man hat das Gefühl entwickelt, sich nur auf sich selber verlassen zu können. Man hat tiefe Angst vor Verletzungen und reagiert darauf mit Abwehr und Rückzug. Erwachsene mit einem solchen Bindungsstil strahlen oft eine starke Autonomie und Unabhängigkeit aus. Aber in Wirklichkeit verbirgt sich dahinter Bindungsangst. Man hat Schwierigkeiten sich in einer Partnerschaft abzugrenzen und die eigenen Bedürfnisse zu äußern. Deshalb hat man das Gefühl, man muss sich aus der Beziehung zurückziehen, um sich selber treu zu bleiben.

Der unsicher-ambivalente (ängstliche) Bindungsstil

Kinder mit diese Bindungsstil verhalten sich nach einer Trennung von der Bezugsperson misstrauisch dieser gegenüber. Sie zeigen ein ambivalentes Verhalten der Bezugsperson gegenüber. Sie suchen deren Nähe und sind zugleich wütend und schwer zu trösten. Das Bindungssystem ist aktiviert. Das Kind konnte kein Vertrauen der Bindungsperson gegenüber entwickeln, weil diese nicht zuverlässig verfügbar war oder sich dem Kind gegenüber ambivalent verhalten hat. Das Kind ist also überängstlich und versucht, die Signale, die es von seiner Bezugsperson erhält zu deuten.

Auch im Erwachsenenalter steht im Vordergrund bei diesem Bindungsstil das Thema Verlustangst.Man neigt dazu, zu „klammern“, man sucht ständig die Bestätigung, dass der Partner oder die Partnerin noch da ist. Man hat in der Kindheit die Erfahrung des Verlassenwerdens gemacht. Man gibt sich zu sehr auf in einer Beziehung. Man passt sich völlig an um zu gefallen, um geliebt zu werden. Man hat Schwierigkeiten damit, eigene Bedürfnisse zu äußern.

Der desorganisierte Bindungsstil

In späteren Studien wurde von Mary Ainsworth noch ein vierter Bindungsstil ergänzt. Die Kinder zeigten Angst vor der Bezugsperson sowie selbstverletzendes Verhalten z. B. schlugen sie mit dem Kopf gegen den Boden. Meistens ist in diesem Fall ein tieferes Trauma vorhanden z. B. durch Gewalterfahrungen in der Kindheit. Das Kind sehnt sich nach Nähe und Bindung, hat aber gleichzeitig starke Emotionen wie Angst und Hass. Es gibt keine Richtung.

Bei Erwachsenen mit diesem Bindungsstil liegt in der Regel eine Persönlichkeitsstörung vor, wie eine Boderline-Persönlichkeitsstörung.

Bis auf den sicheren Bindungsstil zeigen also alle drei unsicheren Bindungsstile eine gestörtes Bindungsmuster, was zu Schwierigkeiten führt, eine dauerhafte erfüllte Partnerschaft einzugehen und zu Problemen im Allgemeinen in zwischenmenschlichen Beziehungen führen kann. Wenn man das Urvertrauen als Kind nicht entwickeln konnte, ist es oft ein harter und schwieriger Weg für Erwachsene, dieses zu erlernen. Doch es ist möglich an der eigenen Bindungsfähigkeit zu arbeiten und es lohnt sich, diesen Weg zu gehen. Denn harmonische und erfüllte Beziehungen sind etwas, was uns als Menschen ausmacht und etwas wonach wir uns letztendlich alle sehnen.

 

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